Last-Second-Sieg gegen Hannover – Gelungener Kempa-Trick bringt dem TuS das 21:20!

4:0 Punkte aus 2 Spielen, das hätte zu Beginn der Saison für einen Spitzenplatz in der Liga gereicht. Aber auch so war und ist die Freude beim TuS N-Lübbecke zurecht ganz groß. Mit Charakterstärke, Selbstvertrauen und immer wieder auch einfach Freude am Spiel: So verabschieden sich die Rothemden nun aus der 1. Liga, aber tanken bereits Zuversicht für die 2. Bundesliga im Spieljahr 2022/23. Mit solchen – vor allem in kämpferischer Hinsicht – überzeugenden Auftritten wie an diesem Abend beim 21:20 (9:12) gegen die TSV Hannover-Burgdorf bleiben die Jungs vom Wiehen eine echte und ehrliche Marke mit bestem Ruf in ganz Handball-Deutschland. Und dieser doppelte Punktgewinn am Donnerstagabend schuf einen allerbesten Rahmen für die Verabschiedungen jener TuS-Asse, die künftig woanders in Aktion sein werden. Auf das letzte Heimspiel der Saison folgt noch die Auswärtsaufgabe bereits jetzt Sonntag, 12. Juni, 15.30 Uhr, beim Bergischen HC.

 

Die Halbzeitstatistik warf hinsichtlich einer Reihe von Daten ein Licht darauf, warum die Kurtagic-Schützlinge zur Pause mit 9:12 ins Hintertreffen geraten waren. Vier Rubriken wiesen den TSV als besonders überlegen aus. Die Wurfquote (der TuS immer zuerst genannt) lag bei 47:75 Prozent, die Quote gehaltener Bälle machte 0:36 Prozent (!) aus, erfolgreiche Angriffe 39:50 Prozent und Tore von außen 0:5. Auf den Petreikis-Führungstreffer (1:0, 3. Minute) folgten Fehlwurf und zwei Fehlpässe der Hausherren und es stand 1:3 (6.). Die höchste Führung hatten die Niedersachsen beim 5:10 (24., Tor durch Cehte) geschafft.

Überwiegend ausgeglichen wurde die Partie, nachdem die Kurtagic-Schützlinge gleich zu Beginn der 2. Halbzeit das 9:12-Pausenresultat in den 12:12-Gleichstand gewandelt hatten. Marek Nissen (31., 10:12), Leos Petrovsky (34., 11:12) und in der 2. Welle wieder Marek Nissen (35., 12:12) hatten das ebenso ermöglicht wie zwei Paraden von Havard Asheim. Asheim, der in der 25. Minute für Joschi Rezar in den TuS-Kasten kam (und bis auf einen Siebenmeter bis Spielende auch blieb), kam auf 5/1 Paraden – alle in ganz wichtigen Momenten des Spielverlaufs. Auch der gehaltene Siebener gegen Johan Hansen in der 55. Minute muss erwähnt werden. Da führte Nettelstedt bereits mit 20:18, nachdem Tom Skroblien kurz zuvor (50. und 53. Minute, zum 17:17 und 19:18) gleich zweimal einen Hannover-Pass gefangen und auch „im Tempo“ verwertet hatte. In den letzten gut 5 Minuten gab es noch Fehler auf beiden Seiten. Mehr als 3 Minuten lang stand es 20:20. Ein Kempatrick des TuS brachte den Ball zu Luka Mrakovcic, der 2 Sekunden vor Schluss einnetzte. Der Rest war verständlicher Jubel auf dem Parkett wie auf den Rängen, so dass komplett unterging, dass der TuS an diesem Abend endgültig abgestiegen war.

Nettelstedts Linksaußen Tom Skroblien verriet uns schon rasch nach Spielschluss, der Kempa-Trick sei in der Auszeit 11 Sekunden vor Schluss genauso besprochen und geplant worden. Bei den beiden Bällen, die er in Klasse-Manier abgefangen hatte, sei es weniger planvoll zugegangen, wie er schelmisch zurückblickte. „Das eine Mal war es intuitiv, in der anderen Situation habe ich es auch etwas provoziert.“ Nach der so schwierigen Saison wegen der vielen Verletzungen, doch noch diese zwei Siege hintereinander geschafft zu haben, „tut uns allen einfach nur richtig, richtig gut“!

Nachdem (in dieser Reihenfolge) Ben Wollert, Marten Franke, Finn-Jannes Gernus, Rennosuke Tokuda, Marvin Mundus, Lutz Heiny, Valentin Spohn, Jan-Eric Speckmann und Aljoscha Rezar unter großem Beifall der 985 Zuschauer feierlich verabschiedet worden waren, richtete zum Abschluss der Heimspiele dieser Saison Armin Gauselmann ein paar Worte an alle. „Ich darf sagen, ich bin stolz auf diese Mannschaft.“ Die Spieler hätten den widrigen Umständen aufgrund der so zahlreichen personellen Ausfälle sehr oft getrotzt und sich „als ausgesprochen charakterstark gezeigt“. Ohne die Verletztenmisere hätte man die Klasse möglicherweise halten können, so Armin Gauselmann abschließend.

 

Stimmen zum Spiel:

Emir Kurtagic (TuS N-Lübbecke): „Aufgegeben haben wir das ganze Jahr lang nicht. So war es auch heute, die Jungs haben viel Leidenschaft gezeigt. Wieder hat der Gegner einen Türspalt aufgemacht, und es gelang uns, die Chance zu nutzen. Wenn die Möglichkeit zum Sieg da ist, spielt Müdigkeit keine Rolle mehr. Mit wichtigen Paraden hat uns Havard Asheim sehr geholfen. Mit diesen beiden Siegen zuletzt, haben sich die Jungs für ihre Arbeit und die gute Moral belohnt. Auch am Sonntag beim Bergischen HC gilt es, nochmals alle Kräfte zu mobilisieren.“

Christian Prokop (TSV Hannover-Burgdorf): „Der TuS hat die beiden Punkte verdient. Vor allem habt Ihr Kampfgeist gezeigt. Wir führen zunächst klar, lassen den Gegner aber am Leben. Dazu tragen dann unsere vielen technischen Fehler mit bei. Dass Nettelstedt sich so über einen Last-Second-Sieg freuen darf, können wir gut nachvollziehen, weil wir dieses zuletzt selbst hatten. Unsere Abwehr hat anfangs lange fantastisch gearbeitet, wir waren aber später zu zaghaft im Positionsspiel. Als wir 5 Minuten lang keinen Treffer erzielen, kommt der TuS mit Kampf zurück und profitiert auch davon, zuhause zu spielen.“

 

Statistik

TuS N-Lübbecke: Asheim (5/1 P. ), Rezar; Tokuda, Gernus, Baumgärtner (4), Petreikis (5), Strosack, Mundus, Dräger, Markovcic (2), Nissen (4), Petrovsky (1), Skroblien (5).

TSV Hannover-Burgdorf:Ebner (13 P.), Wernlein; Cehte (2), Roscheck, Mävers, Hansen (8/1), Pevnov (1), Kuzmanovski (2), Böhm (2), Krone, Edvardsson (1), Brozovic, Fischer (1), Feise (3), Büchner.

Siebenmeter: 0/1 – Skroblien an Ebner (48.) – 1/2 Hansen an Asheim (55.)

Zeitstrafen: Mrakovcic (23. + 56.) – Roscheck (38.)

Schiedsrichter: Sascha Standtke und Steven Heine

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